Urdämon:innen?

In „Infernicus“ haben wir einen Urdämon kennengelernt. Es wurde jedoch angedeutet, dass es mehrere gibt. Die Urdämonen sind je nach Definition Nachkommen oder Bruchstücke des einstmals mächtigsten Dämons Behemoth. Dieser wurde schon vor Jahrtausenden getötet. Später mehr dazu. Jetzt stellen wir uns erst mal folgende Frage, die mich schon vor längerer Zeit erreicht hat.  
Gibt es auch weibliche Urdämonen? 

Um es kurz und skandalös zu halten: Nö.

Um direkt aufzuklären: Es gibt auch keine männlichen Dämonen. 

Dämonen bestehen aus Dämonengaze, einer Substanz, die je nach Art fest, flüssig oder gasförmig sein kann. Die Urdämonen sind körperlos und gasförmig. Und somit geschlechtslos. Die Urdämonen können andere Personen (nur mit deren Erlaubnis) in Besitz nehmen und befinden sich dann je nach Person in einem männlichen, weiblichen oder diversen Körper. Ihre Namen und Persönlichkeiten bleiben dabei natürlich bestehen. So ist der Urdämon Vallefar stets derselbe, egal in welchem Körper er, – der Dämon, – sich befindet. Ob die Dämonen sich in bestimmten Körpern wohler fühlen, das müsste man sie wohl direkt fragen, das lässt sich nicht verallgemeinern. Was ich allerdings sagen kann: Auf der Suche nach einem geeigneten Gefäß haben für Vallefar in „Infernicus“ andere Faktoren den Ausschlag geben, sein Opfer zu einer Zusammenarbeit zu überreden. Nämlich große hexerische Macht. Zudem wählte Vallefar aus politischen Gründen einen Niustheen als Opfer.

Nominierung für den Seraph 2022!

Infernicus wurde zusammen mit elf weiteren Titeln für den Seraph Phantastikpreis in der Kategorie „Bester Independent Titel“ nominiert! Der Literaturpreis wird auf der Leipziger Buchmesse Ende März vergeben.

Was soll ich sagen? Ich bin sprachlos. Es ist wie ein Traum, seinen Buchtitel auf so einer Longlist zu entdecken und so ganz glauben kann ich es noch nicht. Diese Nominierung und Anerkennung ist ein riesiger Erfolg für mich und ich bin überglücklich.

Wasserscheue Insulaner?

Da ist der Autorin wohl ein grober Fehler unterlaufen. Wie sonst kommt es, dass Gorrae – nicht besonders groß und vollständig von der ungezähmten See umgeben – fast ausschließlich von wasserscheuen Elfen und Alben bewohnt wird? 
Dazu kommt, dass es in Gorraes Nachbarland Annwyn nicht viel besser aussieht. Annwyn ist deutlich größer als Gorrae, besteht aber aus mehreren hunderten einzelnen Inseln. Die Niustheen, die Einwohner Annwyns, sind dem Wasser zwar nicht ganz so abgeneigt wie die Erisier, die Bewohner Gorraes, dafür sind die Niustheen anfällig für die Seenekrose, eine oftmals tödlich verlaufende Haut- und Organkrankheit. 
Der Hintergrund ist folgender: Die Natur kann in Gorrae recht wehrhaft sein. Beispielhaft dafür ist auch der Theresienwald, der zum Großteil sich selbst überlassen ist. Was nicht daran liegt, dass die Erisier vorrausschauende Naturschützer sind, sondern an den magischen Wesen, die ihr Reich vor selbstsüchtigen Alben beschützen. Ähnlich sieht es mit dem Wasser und den Bewohnern der See aus. Nicht nur der (bisher unerforschte) Erreger der Seenekrose lauert im kühlen Nass, sondern auch Seeungeheuer, verschiedene Dämonenarten und giftige Algen. Wenn du also durch das Wasser wartest und etwas deinen Knöchel streift … entwickelst du besser den Urinstinkt der Erisier und flüchtest so weit wie möglich ins Landesinnere. 
Vielleicht könnt ihr euch jetzt vorstellen, wie hochangesehen die Fährmänner und Fischer Gorraes sind. Und wie lebensmüde. 

Karte Gorraes, gezeichnet von der Autorin

Infernicus

Willkommen zurück in Gorrae!
Seit dem 18.10.2021 im Handel

Mein zweites Buch „Infernicus – unter schwarzen Wolken“ erzählt genau wie mein Debütroman aus dem Land Gorrae. Doch unterscheiden sich die beiden Bücher deutlich voneinander. „Die Lehre des Sanzibor“ ist ein romantisches Abenteuer, das zu einer Rundreise durch Gorrae einlädt, „Infernicus“ hingegen ist eine Geschichtensammlung.
Weshalb nicht Kurzgeschichtensammlung?
Ganz einfach. Wirklich kurze Geschichten sucht man hier vergeblich. Zum einen sind die fünf einzelnen Geschichten mindestens 12.000 Wörter lang, zum anderen zieht sich eine versteckte Handlung, ein verborgener roter Faden, durch das gesamte Buch und verknüpft den Infernicus zu einem komplexen Abenteuer.
Es wird düster, dämonisch und magisch. Und es gibt einige Rätsel zu lösen.

Den Klappentext zu schreiben erwies sich als wahre Herausforderung. Es hat mir geholfen, mich auf die Kernhandlung zu konzentrieren und einen Charakter in den Vordergrund zu rücken.

Hörprobe, gelesen von der Autorin

Hier zeige ich euch einige Zitate aus meinem „Infernicus“

Entstehung meines Debütromans

Mein Debütroman ist nicht das erste Buch, das ich geschrieben habe. Vor ihm habe ich eine Trilogie verfasst, die ebenfalls in Gorrae spielt. Hier möchte ich ein wenig davon erzählen, weshalb ich die Trilogie nicht zuerst veröffentlicht habe und weshalb ich mit dieser Entscheidung sehr glücklich bin.

Auch die Trilogie war nicht mein erster Versuch. Das Projekt „Wesp“, das vor Gorrae mein zweites zu Hause gewesen ist, war wohl mein erster richtiger Gehversuch mit Wörtern. Heute winde ich mich gequält beim Gedanken an die ungefähr dreißig Hauptpersonen und den verworrenen Plot, der düsterer war als alles, was ich bisher geschrieben habe. 
Ich denke mal, dass jeder Autor so ein Projekt hat oder hatte und es vielleicht auch braucht, um Erfahrungen zu sammeln. Als ich 2017 „Wesp“ abgebrochen habe, wollte ich mein nächstes Projekt unbedingt „professionell“ angehen. Ich habe viel Zeit mit dem Worldbuilding von Gorrae verbracht, Konzepte durchgezogen, Schreibseminare wahrgenommen, mich mit Charakterentwicklung beschäftigt und nicht die erstbeste Idee genommen, die mir in den Sinn kam. 

Wenn ich eine Schreibblockade habe, starte ich gerne ein neues Projekt und für mich funktioniert das sehr gut. „Sanzibor“ war ein solches Nebenprojekt, das ich begonnen hatte, als es mit der Trilogie nicht vorwärts ging. Eine Liebesgeschichte sollte es sein, denn ich wurde für mangelnde Liebe in meiner Trilogie kritisiert. Es gab natürlich Liebe, aber kaum eine war romantischer Natur und ich weigerte mich sie in irgendeiner Art „zu Ende“ zu bringen. Die Herausforderung gefiel mir und ich hatte großen Spaß beim Schreiben, denn ich kannte mich in Gorrae hervorragend aus. Die Regeln und Details, die ich mir beim Schreiben der Trilogie mühsam herleiten oder zehn Mal in meinen Unterlagen nachschlagen musste, waren mir in Fleisch und Blut übergegangen. Ich konnte Wege einschlagen, die ich in der Trilogie nicht gehen konnte. „Die Lehre des Sanzibor“ zu schreiben, war eindeutig das Leichtestes an der Veröffentlichung. 

Es dauerte auch eine ganze Weile, bis mir der Gedanke dämmerte, dass ich die Trilogie, so wie sie war, nicht veröffentlichen wollte. Die ersten beiden Teile habe ich ungelogen zwanzig Mal überarbeitet und sie wurden sogar schon von Testlesern inspiziert. Aber je länger ich mich mit der Materie des Schreibens und der Buchveröffentlichung beschäftigte, umso größer wurden meine Ansprüche und ich wusste irgendwann, dass ich mehr aus der Trilogie rausholen kann und will. Mit unendlich viel Arbeit. Aber ich hatte so intensiv auf die Buchveröffentlichung und das Selfpublishing hingearbeitet, ich wollte nicht noch ein Jahr oder mehr mit der Überarbeitung eines verschachtelten 380.000 Wörtern Fantasy Plots verbringen. Ich brauchte Abstand zu dem Projekt. Außerdem stößt man auf die ersten Stimmen, die einem dringend davon abraten, als Debüt den Auftakt eines Fantasy Mehrteilers zu veröffentlichen. Sicher funktioniert das für viele Autor:innen trotzdem, doch ich bin heilfroh, dass ich mich anders entschieden habe. Es war nichts destotrotz sehr wichtig für mich, die Trilogie zu einem runden Ende zu bringen, damit sie vollständig darauf warten kann, bis ihre Zeit gekommen ist.

„Die Lehre des Sanzibor“ ist mit 292 Seiten vergleichsweise kurz für eine High-Fantasy Geschichte und ich bin dafür sehr dankbar, denn schon das simple „noch mal sicherheitshalber alles durchlesen“ hätte für den ersten Teil der Trilogie doppelt so lange gedauert, vom Lektorat und Buchsatz mal ganz abgesehen. Es war auch so schon eine echte Herausforderung, neben einem anspruchsvollen Vollzeitjob, ein Buch zu veröffentlichen und den eigenen Ansprüchen irgendwie gerecht zu werden. Doch es hat unglaublich viel Spaß gemacht und ich werde es wieder tun.

Ich freue mich jetzt erst einmal sehr darauf, meine Erfahrungen als frisch veröffentliche Autorin zu sammeln, Leserstimmen zu hören, zu lernen und wieder Zeit fürs Schreiben zu finden. Das kam bei mir im letzten halben Jahr eindeutig zu kurz.

Sie ritten eine weite, flach abfallende Landschaft hinunter und in der Abenddämmerung konnten sie die Lichter einer Stadt erkennen. Und das Wahrzeichen Behemoths, das hinter den übrigen Gebäuden aufragte. Der Hexenturm. Der düstere Unheilbringer, der mit seiner tiefschwarzen Fassade und den geschwungenen Zinnen, die er wie eine Krone auf dem Haupt trug, einen unerbittlichen Schatten über die Stadt warf.

Die Lehre des Sanzibor – Eine Geschichte aus Gorrae
von Leslie Meilinger